Christus, Retter und Lebensspender, serbische Ikone, 14. Jh.

bei der Ikonen-Schule
von Wolfgang Fleckenstein

Herzlich willkommen

Seit ca. 30 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit der Welt der orthodoxen Ikonen.
Ikonenschreiben habe ich bei Peter Bauer aus Forchheim gelernt. Er hat seine Ausbildung bei einer russischen Ikonenrestauratorin absolviert.
Seit 2005 habe ich von ihm die Leitung der Ikonenkurse übertragen bekommen.

Meine Intention ist es, Interessierten eine Plattform für erste Erfahungen mit Ikonen, und für Austausch und Erweiterung der gewonnenen Kenntnisse rund um die Welt der Ikonen zu bieten.

Ein Blick in die Ikonengalerie

Gottesmutter

Christus

Apostel und Evangelisten

Heilige

Engel

Propheten

Mann mit verdorrter Hand

Kurze Meditative Erschließung der Ikone
Im optischen Mittelpunkt sieht man die Segenshand Christi, die sich der steifen, leblosen Hand des Mannes zuwendet. Hinter den Händen ist der goldverzierte Toraschrein zu sehen, in dem die Torarollen mit dem Wort Gottes aufbewahrt werden. Christus hat den Mann aufgefordert in die Mitte zu treten. Dies ist nicht nur eine wertschätzende Zuwendung gegenüber einem, der an den Rand gedrängt, der verachtet wird, denn seine Krankheit ist für viele eine Strafe Gottes. Aufgefordert, in die Mitte zu treten, bedeutet hier zudem, an die Stelle in der Synagoge zu treten, wo normalerweise die Bima, das Lesepult, steht, an dem das Wort Gottes verlesen wird. Wenn Christus dies tut, dann zeigt er damit, dass dieser Kranke genauso wichtig und wertvoll ist, wie das Wort Gottes. Eine Provokation für viele der Anwesenden. Auf dieser Ikone wird diese Wertschätzung des Kranken schon allein dadurch ausgedrückt, dass Christus und der Mann mit der verdorrten Hand auf Augenhöhe gegenüber stehen. Hinter Christus sind einige seiner Jünger zu erkennen. Petrus ist mit einem grauen Haar und seinem runden Bart typisiert. Die Jünger scheinen im Gespräch zu sein, über das, was hier geschieht. - Auf der Gegenseite ist einer der Pharisäer zu erkennen. Er trägt einen langen grauen Bart, Zeichen seiner Gelehrsamkeit. Sein Obergewand ist ein helles Violett. Eine Farbe, die Vornehmen zusteht. Hinter dem aufmerksam beobachtenden Gelehrten sind weitere Personen mit ihren Kopfbedeckungen angedeutet. Auffallend an dieser Gruppe bleibt, dass sie deutlich kleiner dargestellt sind, als der Kranke und Christus mit seinen Jüngern. Die Ikone zeigt mit der Größe an, wer bedeutender ist. Auch die Farben, die verwendet werden, haben eine symbolische Bedeutung. Christus trägt ein himmelblaues Obergewand, Zeichen seiner göttlichen Herkunft. Sein Untergewand ist purpurn. Purpur ist eine seltene und kostbare Farbe, die bis heute aufwendig aus der Drüse der Purpurschnecke gewonnen wird. Sie ist die bevorzugte Farbe der Herrscher. Wenn sie diesen vorbehalten ist, dann ist sie für Christus, den König der Könige, mehr als angemessen. Um den Kopf Christi zeigt sich der golden strahlende Heiligenschein. Gold ist das Symbol für das Göttliche, denn Gold ist ein beständiges Metall (keine Farbe!), das nicht zerstört werden kann. Mit seinem Glanz repräsentiert es das göttliche Licht, das die Dunkelheiten der Welt erhellt. Im Heiligenschein ist ein Kreuz zu sehen, das an das Schicksal Christi erinnert. Die eingeschriebenen Buchstaben bedeuten: Der Seiende, der „Ich bin da“. Der Mann mit der verdorrten Hand hingegen trägt ein dunkelviolettes Gewand und dunkelbraune Stiefel. Allein die dunkle Tönung verweist auf seine traurige Lage. Allerdings geht er auf einem dunkelgrünen Boden auf Christus zu. Ein Hoffnungs-zeichen, dass sich hier eine Wende anbahnt; der blaue Überwurf verbindet zudem den Kranken auf der farblichen Ebene mit Christus.
Wolfgang Fleckenstein

Mann mit verdorrter Hand