Aus der Werkstatt

Jede Ikone hat eine handwerkliche Seite, die in Einzelheiten thematisiert werden soll.
Mein Ikonenlehrer, Peter Bauer, hat immer wieder betont, dass diejenigen, die Kenntnisse oder Erfahrungen im Zusammenhang mit der Ikonenherstellung nicht weitergeben, "in der Hölle landen".
Es ist also gut und richtig, Erkenntnisse weiterzugeben. Dies wird hier in unsystemtischer Weise geschehen. Diese technischen Tipps gehen teilweise auf Hinweise von TeilnehmerInnen bei Ikonenkursen zurück.

Eine Ikone entsteht

1. Auswahl des Brettes nach der Ikonen-Vorlage
2. Vorbereiten des Malgrundes mit Aufleimen eines Leinenstoffes und zwölf Kreideschichten
3. Glattschleifen des Malgrundes
4. Die Ikonenvorlage wird mit Farbpigment eingerieben und mit dem Gravurstift übertragen / durchgedrückt.
5. Die übertragenen Linien werden vorsichtig mit dem Gravurstift in den Malgrund geritzt.
6. Mit eingeriebenem Pigment werden die Konturlinien (zur Kontrolle) sichtbar gemacht.
7. Der rote Plakagrund wird für die Vergoldung aufgetragen und mit einem Rosshaartuch glatt poliert.
8. Mixtion als Anlegeöl wird zweimal für Gold aufgetragen. Einmal durchtrocknen lassen, nach dem zweiten Auftrag vergolden.
9. Blattgold (Transfer !) wird vorsichtig aufgelegt.
10. Der Heiligenschein (rote Umrandung) wird mit dem Zirkel aufgetragen.
11. Die Ikone wird erschlossen, d.h. alle Farben werden in ihrem dunkelsten Wert gemalt. - Die erschlossene Ikone wirkt relativ dunkel. Es ist eine Eigenart der Ikone, dass sie vom Dunkel ins Helle gemalt wird.
12. Die Konturlinien werden in farblicher Abstimmung gemalt.
13.Mehrere Aufhellungsschritte werden in allen Farbanteilen vorgenommen.
14. Der Rand und schließlich die Beschriftung kommen hinzu.
15. Nach ca. vier Wochen wird die Ikone gefirnisst, d.h. mit einer Schutzschicht und einem Zertifikat (auf der Rückseite) versehen.






Vorbereiten des Malplatzes









Vergolden


Es gibt für die Ikonenmalerei zwei Vergoldungsarten:
Hochglanzvergoldung und die Polimentvergoldung, auch Ölvergoldung genannt.
Ich beziehe mich hier nur auf die Polimentvergoldung, die in der Handhabung einfacher ist. Dazu wird Transfer-Blattgold (!) benötigt. Dies empfehle ich bei der Fa. Gerstendörfer, Schwabach zu beziehen: www.gerstendoerfer-blattgold.de







Heiligenschein und Beschriftungen

Der Heiligenschein ist wesentlicher Bestandteil von Heiligen Personen, die auf Ikonen zu sehen sind.
Der Heiligenschein Christ hat immer Vorrang vor anderen Heiligenscheinen. Das bedeutet, dass der Heiligenschein Christi die anderer überdeckt.
An zweiter Stelle steht der Heiligenschein der Gottesmutter, der nach Christus den Vorrang vor anderen Heiligenscheinen hat.
Üblicherweise werden Heiligenscheine mit dem Zirkel (Schreibfederaufsatz)und der Farbe Plaka-Rot aufgetragen. Mit roter Tusche ist dies für feine Linien der Heilgenscheine leichter zu bewerkstelligen. Auch die Korrekturen sind, wenn nötig einfacher, da Tusche mit destilliertem Wasser abgelöst werden kann.
Um den Kreismittelpunkt auf dem Ikonebrett zu finden, eignet sich ein transparente Kreisschablone.

Für Beschriftungen gilt im Wesentlichen das Gleiche wie für die Heiligenscheine. Sie sind Grundbestand der Ikone, auch wenn sie manchmal Rätsel aufgeben. Ich bin kein Verfechter, die Beschriftung in Deutsch auszuführen. Ikonen haben im Osten Europas ihren Ursprung und dies sollte man an der Beschriftung sehen. Auch wenn es manchmal mühevoll ist, die Schriftzeichen korrekt auszuführen. In jedem Fall lösen Beschriftungen, die wir nicht einfach lesen können, einen anregenden Suchprozess aus, der heute mit Unterstützung des Internets aber gut zu leisten ist.










Firnissen


Abschluss der Ikone
erst nach Abtrockenzeit (frühestens 1 Monat!) Firnis auftragen
es gibt keine schnelle Lösung! Abschluss meist in mehreren Schritten
grundsätzlich zwischen den Schritten genügend Trockenzeit einhalten

MÖGLICHKEITEN des Firnissens:
Leinölfirnis (traditionelle Ikonenfirnis)
kann selbst mit Leinöl und Siktativ (=Trockenmittel) hergestellt werden
wird satt aufgetragen (bei Vertiefungen gegossen; bei Flachikonen werden diese mit der Malseite in die Leinölfirnis gelegt; Vorsicht! Ikone muss schwimmen!
Nach 24 Stunden überflüssigen Leinöl-Firnis abgießen und mit Küchentüchern abtupfen; Reste mit Pinsel (weich und groß) vorsichtig verteilen
Schellack (Vorsicht: Lösungsmittel: SPIRITUS!!!)
teilweise unbefriedigende Erfahrungen mit Schlieren im Gold oder „Nasen“; dies besonders bei Schellack direkt am Ende des Kurses als Transportschutz.
3 Schichten haben bessere Wirkung
je mehr Schichten desto höher wird der Glanz (also Vorsicht!)
Fertige Firnisse
bei Gerstendörfer (Waldstrasse 32, D-91189 Gustenfelden; Tél.: 09122-926810 / Fax: 09122-926820 / email: info@blattgold.de / www.blattgold.de )
     * Dammarfirnis (mittlerer Glanz)
     * Mattfirnis (seidenmatter Glanz)
     * Mastixfirnis (seidenmatter Glanz)
     * Spray-Firnis (Sprühfilm) .